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Foto: BV BFW/Kruppa

Zusammenarbeit mit Berufsförderungswerken

Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben


Das Thema Erreichbarkeit wird inzwischen verstärkt von den Medien aufgegriffen. Das Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG) und die Unfallkasse Hessen haben 430 Beschäftigte zu den Ursachen und Folgen der Erreichbarkeit während der Arbeit und in der Freizeit befragt. Die Ergebnisse sind in einem IAG-Report veröffentlicht worden.

Im Sommer 2016 hat der Vorstand der DGUV Positionen zur Zusammenarbeit mit den Berufsförderungswerken (BFW) verabschiedet. Vorausgegangen war eine gemeinsame Veranstaltung mit Entscheidungsträgern aus Haupt- und Ehrenamt der gesetzlichen Unfallversicherung und Vertretern der BFW im Jahr 2015.  Ziel war es, die Zusammenarbeit bedarfsorientiert und nachhaltig zu gestalten. Die Veranstaltung hatte ergeben, dass die Potenziale der BFW noch nicht ausgeschöpft sind und die gesetzliche Unfallversicherung individuelle, passgerechte, modulare und möglichst wohnortnahe Angebote mit Vernetzung zu regionalen Betrieben benötigt. Über die Ergebnisse der Veranstaltung wurde im DGUV Forum 10/2015[1] berichtet. Im Folgenden werden die Ziele und Inhalte des Positionspapiers sowie erste Umsetzungsergebnisse vorgestellt.

 

Die Positionen der DGUV und ihre Hintergründe

Die gesetzliche Unfallversicherung möchte ihre Versicherten nach einem Arbeits- oder Wegeunfall oder bei einer Berufskrankheit möglichst schnell und nachhaltig auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt wiedereingliedern. Der Vorstand der DGUV hat hierzu bereits im Jahr 2010 Grundsatzpositionen zu Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben beschrieben. Danach steht an erster Stelle das Ziel der Rückkehr an den bisherigen Arbeitsplatz, gegebenenfalls mit Hilfe von technischen, qualifizierenden oder anderen Hilfen. Wenn das nicht möglich ist, wird versucht, wenigstens das Beschäftigungsverhältnis beim bisherigen Arbeitgebenden zu erhalten, zum Beispiel durch eine  innerbetriebliche Umsetzung und weitere Qualifizierung. Ist beides nicht machbar, soll eine schnelle Integration auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, bei Bedarf mit Hilfe einer (Teil-)Qualifizierung, erfolgen.

 

Ergänzend dazu hat die DGUV am 1. Juni 2016 Positionen zur Zusammenarbeit mit den BFW[2] verabschiedet. Sie sieht die BFW als wichtige und kompetente Partner bei der Fort- und Weiterbildung sowie bei der beruflichen Integration von Unfallverletzten und berufserkrankten Menschen, deren Kompetenz und Netzwerke es zu nutzen und auszubauen gilt. Das Wichtigste ist für die DGUV, neben Eignung und Neigung der Versicherten, die Erfordernisse des Arbeitsmarktes zu berücksichtigen. Inklusion und Selbstbestimmung sieht sie durch die begleitenden Dienste der BFW gewährleistet, die auf die Bedürfnisse von Menschen mit schweren Beeinträchtigungenausgerichtet sind.

Das Positionspapier beschreibt, unter welchen Bedingungen die BFW im Rahmen der Bedarfsermittlung oder bei betrieblichen Maßnahmen und Qualifizierungen einbezogen werden können oder sollten. So wird erwartet, dass Assessments zur Bedarfsfeststellung von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben unabhängig vom Qualifizierungsangebot des jeweiligen BFW umfassend und ergebnisoffen durchgeführt werden.

Gleichzeitig sollen die Unfallversicherungsträger die Kompetenz der BFW auch bei betrieblichen Maßnahmen nutzen. So könnten bei Bedarf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BFW den Arbeitgebenden, Versicherten und Unfallversicherungsträgern als kompetente Berater bei betrieblichen Umschulungen oder Teilqualifizierungen zur Seite stehen. Außerdem könnten die besonderen Hilfen und Fachdienste der BFW, zum Beispiel in Form psychologischer Begleitung, hinzugezogen werden. Aber auch für Qualifizierungen in einem BFW selbst sieht die Unfallversicherung das betriebliche Praktikum als maßgeblichen Bestandteil. Hierzu sind Vernetzungen der Einrichtungen mit Unternehmen und Betrieben regional und überregional notwendig.

Um den Versicherten zeitliche und örtliche Flexibilität und damit die Vereinbarkeit von beruflicher Rehabilitation und Familie zu ermöglichen, fordert die Unfallversicherung neben individuellen, passgerechten, modularen und wohnortnahen Angeboten insbesondere auch innovative Lernformen wie  E-Learning.

Aktuelle Angebote und Kooperationen der BFW

Die BFW nehmen die Anforderungen der Unfallversicherungsträger sehr ernst und sind deshalb schon seit einigen Jahren dabei, ihre Leistungen und Angebote noch transparenter und betriebsnäher zu gestalten. Wichtige Meilensteine dieser Entwicklung bildeten hier das Projekt RehaFutur und das damit einhergehende Reha-Modell der BFW.  Beispielhaft wird hier über aktuelle Angebote aus dem Bereich des Bundesverbands Deutscher Berufsförderungswerke (BV BFW) berichtet, in dem 28 der 32 Einrichtungen vertreten sind.

Neben modularen Angeboten oder Anpassungsqualifizierungen sind dabei vor allem die Betriebsnähe und die enge Kooperation mit Unternehmen und Wirtschaftsverbänden für den BV BFW und seine Mitglieder besonders wichtige Themen. So hat der BV BFW erfolgreiche Kooperationen mit der Deutschen Bahn, Galeria Kaufhof oder zuletzt dem Call Center Verband Deutschland initiieren können. Auch vor Ort arbeiten einzelne BFW eng mit Unternehmen zusammen: So begleiten die vier BFW Dortmund, Frankfurt, Goslar und Schömberg das Unternehmen Boehringer Ingelheim im Rahmen des Betrieblichen Eingliederungsmanagements. Ein weiteres Beispiel ist die enge Kooperation des BFW Leipzig mit dem Porsche-Werk in Leipzig im Rahmen der Qualifizierung von Qualitätsfachleuten.

Um die Zusammenarbeit mit Unternehmen in den kommenden Jahren noch weiter zu intensivieren, hat der Bundesverband Anfang 2016 eine Personalstelle Unternehmenskooperationen geschaffen. Hierüber sollen die verschiedenen Kooperationen weiter ausgebaut werden.


Betriebliche BFW-Leistungen

Erstmalig gibt es eine deutschlandweite Übersicht über alle betrieblichen BFW-Leistungen:  Die Angebote in den Bereichen berufliche Rehabilitation, Gesundheit und Arbeit  sind in einer Broschüre zusammengefasst. Das Leistungsportfolio der BFW für Unternehmen wird in vier Bereichen unterteilt: Fachkräfte, Personalentwicklung, Gesundheit und Service. Darunter sind standortbezogene Leistungen nach Oberbegriffen sortiert, die zum Teil regional unterschiedlich Bezeichnungen haben: So finden sich im Bereich Fachkräfte zum Beispiel Kooperative Ausbildungen, Kompetenzfeststellungen oder Potenzialermittlungen.

Unter Personalentwicklung sind Leistungen aufgeführt, die BFW speziell für betriebliches Personal anbieten. Angebote zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement oder zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement sind dem Bereich Gesundheit zugeordnet. Hier finden sich  auch spezielle Angebote wie die sehergonomische Beratung am Arbeitsplatz, die von den vier auf Menschen mit Sehbehinderungen und Seheinschränkungen spezialisierten BFW als präventive Maßnahme für Arbeitgebende entwickelt wurden. Unter dem Bereich Service sind  weitere Angebote einzelner BFW zu finden. Zudem können Hotels und Räumlichkeiten der BFW an einzelnen Standorten für Tagungen angefragt oder Werkstätten und Fachräume für Schulungen oder Prüfungen der Kammern genutzt werden. Die Broschüre kann in der Geschäftsstelle des BV BFW angefordert werden.

Die Broschüre geht damit auf konkrete Empfehlungen von Arbeitgebenden aus der Veranstaltungsreihe Chefsache Inklusion ein. Die erste Veranstaltung fand Ende 2014 bei der Deutschen Telekom mit Unterstützung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales statt. Seitdem haben die BFW fünf weitere Regionalforen durchgeführt. Mit dem Format Chefsache Inklusion konnte der BV BFW eine sehr erfolgreiche Reihe mit und für Unternehmen initiieren, die das Ziel hat, gemeinsam betriebsnahe Leistungen im Bereich Gesundheit und Arbeit weiterzuentwickeln. Auf den Expertenforen, die bei namhaften Unternehmen wie der Deutschen Bahn, Ford, Airbus, SAP oder dem Flughafen München stattfanden, waren auch die Unfallversicherungsträger als wichtige Partner vor Ort in die Diskussion eingebunden. Die Reihe soll in den kommenden Jahren fortgesetzt werden. (Links zur Übersicht für Unternehmen und zu Chefsache Inklusion[3])

Mit Modellprojekten treibt der BV BFW außerdem die Weiterentwicklung der beruflichen Rehabilitation in BFW voran. Zu nennen ist hier beispielsweise das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt TErrA (Überbetriebliche Tätigkeitswechsel zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit in regionalen Netzwerken). In dessen Rahmen sollen erstmals überbetriebliche Tätigkeitswechsel in regionalen Unternehmensnetzwerken entwickelt und erprobt werden.

Regelmäßiger Austausch

DGUV und BV BFW treffen sich regelmäßig, um ihre Zusammenarbeit zu evaluieren und die gemeinsame Arbeit weiter zu vertiefen. Vorrangiges Ziel ist dabei, den Versicherten beziehungsweise den Rehabilitanden zielgerichtete und bedarfsorientierte Leistungen anzubieten, mit denen sie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt dauerhaft Fuß fassen können.

 

Autorin und Autor

 

Doris Habekost

Referat "Teilhabe/Reha-Management" der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV)

E-Mail: doris.habekost@dguv.de

 

Niels Reith
Geschäftsführung Bundesverband Deutscher Berufsförderungswerke e. V.

E-Mail: N.Reith@bv-bfw.de


 [1] LTA zukunftssicher gestalten, Interview mit Thomas Köhler, Ludger Peschkes und Thomas Meiser

 [2] www.dguv.de/medien/inhalt/rehabilitation/teilhabe/schwerverletzte/positionspapier___zusammenarbeit_mit_den_bfw.pdf

[3] www.bv-bfw.de/alltags-sprache/service/aktuelles-presse/nachricht/unternehmensnahe-leistungen-im-fokus.html

www.chefsache-inklusion.de/

www.360grad-experten.de/startseite/

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Qualität von Arbeitsschutzunterweisungen

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Foto: Wolfgang Bellwinkel/DGUV
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Arbeitsschutzunterweisungen sind in Deutschland ein bewährtes Instrument der betrieblichen Prävention. Die Rahmenbedingungen, wie Unterweisungen durchzuführen sind, sind gesetzlich festgelegt. Die inhaltlich-methodische Ausgestaltung liegt jedoch gänzlich in der Erfahrung und den Kompetenzen der betrieblichen Akteure. Wie kann also die Wirksamkeit von Arbeitsschutzunterweisungen gesichert werden? Diese Frage beantwortet ein aktuell erschienener Report des Instituts für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG). 

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