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Evaluation DGUV Vorschrift 2
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DGUV Vorschrift 2

Evaluation


Am 1. Januar 2011 trat die reformierte Unfallverhütungsvorschrift „Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit“ (DGUV Vorschrift 2) in Kraft. Die mit allen Unfallversicherungsträgern (UVT), dem BMAS und den Ländern (LASI) abgestimmte Rechtsnorm sollte das Arbeitssicherheitsgesetz konkretisieren. Besonderes Kernstück der Überarbeitung: die Reform der Anlage 2 der DGUV Vorschrift 2 „Regelbetreuung der Betriebe mit mehr als 10 Beschäftigten“. Hier wurden sowohl Inhalt als auch Umfang der Gesamtbetreuung geregelt, die sich in Grundbetreuung und betriebsspezifische Betreuung unterteilt. Die Evaluation der über¬arbeiteten Vorschrift wurde von Beginn an eingeplant.

Von 
Marlen Rahnfeld und Dr. Annekatrin Wetzstein

Ziele der Reform der Vorschrift waren die Gleichbehandlung gleichartiger Betriebe, die Einführung eines betriebsspezifischen, gefährdungsbezogenen Ansatzes der Betreuung, die stärkere Ausrichtung der Betreuungsleistung auf Inhalte, die Verbesserung der Kooperation der betrieblichen Akteure, die Stärkung des eigenverantwortlichen Handelns der Betriebe und Verwaltungen sowie die Berücksichtigung zeitgemäßer Betreuungserfordernisse.


Mit Hilfe der Evaluation sollten der Umsetzungsgrad, die Anwendbarkeit und Praktikabilität sowie die Folgen der veränderten Vorschrift für Sicherheit und Gesundheit im Betrieb bewertet werden. Dabei verständigte sich das Projektteam auf einen Methodenmix aus standardisierten Befragungen, um ein höchstes Maß an Zuverlässigkeit und Validität zu gewährleisten, und halbstandardisierten Interviews, um gleichzeitig mehr in die Tiefe gehen zu können. Gegenstand der Evaluation war ausschließlich die Umsetzung der Anlage 2, da sie besonders tiefgreifende Veränderungen mit sich brachte.


Methodisches Vorgehen bei der Evaluation


1. Standardisierte Befragung von Unternehmensleitungen und betrieblichen Interessenvertretungen


Im Rahmen der Evaluation wurden zwischen Juni und August 2016 2.600 Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter standardisiert befragt (1.641 Langinterviews und 959 Kurzinterviews), geschichtet nach kleinen, mittleren und großen Betrieben. Darüber hinaus wurden 425 Interviews (274 lang und 151 kurz) mit betrieblichen Interessenvertretungen geführt. Langinterviews wurden mit den Personen geführt, die angaben, dass ihnen die DGUV Vorschrift 2 bekannt ist und diese auch umgesetzt war.


2. Standardisierte Befragung von Betriebsärztinnen und Betriebsärzten sowie Fachkräften für Arbeitssicherheit


Zudem wurden von August bis Oktober 2016 241 Betriebsärztinnen und Betriebsärzte sowie 772 Fachkräfte für Arbeitssicherheit online befragt.


3. Halbstandardisierte Interviews mit Betriebsärztinnen und Betriebsärzten sowie Fachkräften für Arbeitssicherheit


Sowohl Betriebsärztinnen und Betriebsärzte als auch Fachkräfte für Arbeitssicherheit wurden ergänzend bis Dezember anhand eines halbstandardisierten Leitfadens telefonisch interviewt (N=37).


4. Abfrage bei den Präventionsabteilungen der Unfallversicherungsträger und den staatlichen Arbeitsschutzbehörden


Darüber hinaus wurden die Präventions­abteilungen der Unfallversicherungsträ­ger und die staatlichen Arbeitsschutz­behörden um die Beantwortung eines Fragebogens gebeten. Die Abfrage wurde von 13 Ländern und 25 Unfallversicherungsträgern beantwortet.


Zentrale Ergebnisse


Die repräsentativen Erhebungen unter Betriebsleitungen und betrieblichen Interessenvertretungen haben ergeben, dass die DGUV Vorschrift 2 den Verantwortlichen in vielen Betrieben (41 Prozent) nicht bekannt ist. Ob sie in diesen Betrieben umgesetzt ist oder nicht, lässt sich nicht beurteilen. Insbesondere in Betrieben, die ihre Arbeitsschutzbetreuung weitgehend an externe Dienstleistungen delegiert haben, kann die Vorschrift durchaus auch ohne Kenntnis oder Erinnerung der betrieblichen Verantwortlichen umgesetzt sein. Betriebe, die die Vorschrift kennen, haben diese in aller Regel auch umgesetzt. Der Umsetzungsstand ist dabei in größeren Betrieben signifikant besser als in kleineren Betrieben.


Gleichbehandlung gleichartiger Betriebe


Bei allen Befragtengruppen finden mindestens zwei Drittel das Prinzip (eher) sinnvoll, dass ein Betrieb komplett einer Betreuungsgruppe in der Grundbetreuung zugeordnet wird, besonders positiv wird diese Neuerung von betrieblichen Interessenvertretungen gesehen (93 Prozent).

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Autofahren 4.0

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Das Projekt Prävention 4.0 identifiziert Risiken aber auch Chancen, die das Arbeiten 4.0 mit sich bringt und leitet entsprechende Präventionsmaßnahmen ab. 2016 fand eine Befragung zur Bedeutung von „4.0“ in der betrieblichen Praxis statt. 


Von 

Dr. Klaus Große und Katrin Zittlau

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