oben

Forschungsprojekt

UV-Bestrahlung in der Freizeit


Ob Hobbys, Relaxen oder Besorgungen: Fast alle Menschen halten sich während ihrer Freizeit auch im Freien auf. Da Messungen im beruflichen Umfeld zum Teil extreme UV-Belastungen ergeben haben, wird nun in einem neuen Projekt des Instituts für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) die Exposition in der Freizeit gemessen.


Von Timo Heepenstrick


In den vergangenen Jahren hat sich Hautkrebs zu einer Volkskrankheit entwickelt und die Zahl der Neuerkrankungen steigt stetig an. Da heller Hautkrebs durch Prävention verhindert werden kann und für eine erfolgreiche Prävention die Höhe der Belastung eine wichtige Rolle spielt, sollen neben den Daten im beruflichen Umfeld nun auch verschiedene Freizeittätigkeiten vermessen werden.

Doch wie wird die Höhe der UV-Exposition gemessen? Die Einheit SED (Standard-erythemdosis) gibt an, wie viel Energie auf eine definierte Fläche einwirkt. Hier gilt, je höher der Wert, desto größer ist die Gefahr für Sonnenbrand und langfristig auch für hellen Hautkrebs. Eine SED am Tag reicht beim Hauttyp 1 (helle Haut, helles oder rötliches Haar) aus, um einen Sonnenbrand auszulösen. Die im beruflichen Umfeld gemessenen Jahresexpositionswerte von mehreren Hundert SED zeigen ein hohes Gefährdungspotenzial. Doch die Neuerkrankungsrate an hellem Hautkrebs steigt nicht nur bei Personen, die beruflich viel Zeit im Freien verbringen, daher soll in dem neuen Projekt die Frage beantwortet werden, wie hoch die UV-Exposition in der Freizeit ist.


Auch für Unfallversicherungsträger interessant

Warum interessieren sich Unfallversicherungsträger für die Höhe der UV-Belastung in der Freizeit, also in nicht versi cherten Zeiten? Plattenepithelkarzinome und multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung werden nur dann als Berufskrankheit (BK 5103) anerkannt, wenn bei einer betroffenen Person zu ihrer Exposition in der Freizeit noch einmal 40 Prozent durch den ausgeübten Beruf hinzukommen. Bisher wurde eine maximale berufliche Dosis von 300 SED im Jahr bei einer Arbeit, die hauptsächlich im Freien ausgeübt wird, angenommen. Als private Dosis kommen bei dieser Rechnung für jede Person etwa 130 SED pro Lebensjahr hinzu. Bei den Messungen des IFA bei Beschäftigten im Freien ergaben sich jedoch Jahresexpositionen von bis zu 580 SED. Da diese Werte fast doppelt so hoch sind wie bisher angenommen, müssen auch die Expositionen in nicht versicherten Zeiten neu gemessen werden, um die Voraussetzungen der BK 5103 überprüfen zu können.


Die UV-Exposition in der Freizeit

Wie in dem Beitrag von Dr. Marc Wittlich im DGUV Forum 12/2018 beschrieben, wird die UV-Bestrahlung in der Freizeit in dem neuen Projekt analog zu den Messungen während der Arbeitszeit nach Tätigkeiten gestaffelt gemessen. Innerhalb des neuen Projektes werden in den nächsten Jahren über UV-Dosimeter Durchschnittswerte für Freizeitaktivitäten ermittelt, die verschiedene Wetterverhältnisse (bewölkt oder sonnig) sowie verschiedene Monate mit unterschiedlich starker Strahlungsintensität (April bis Oktober) berücksichtigen.

Erste Ergebnisse aus Pilotprojekten lassen darauf schließen, dass nicht nur die berufliche Dosis, sondern auch die private Dosis bisher deutlich unterschätzt wurde. Zwischen April und Oktober 2018 fand ein Pilotprojekt für die Tätigkeit „Fußballspielen“ statt. Da ein Dosimeter am Arm während eines Spiels hinderlich sein oder bei Körperkontakt andere Spieler verletzen kann, beschränkte man sich auf 22 Schiedsrichter und acht Trainer. Abbildung 1 zeigt die Höhe der gemessenen UV-Strahlung während eines Fußballspieles im Juli 2018. In der Tagessumme wurde hier eine Dosis von vier SED gemessen. Zur Erinnerung: Bei einem sehr hellen Hauttyp kann bereits eine SED ausreichen, um einen Sonnenbrand zu verursachen. 




In einem anderen Pilotprojekt wurden bei einem Betriebsfest der DGUV am Standort Sankt Augustin 39 Probandinnen und Probanden zwischen 10 Uhr und 16 Uhr mit einem Dosimeter ausgestattet. Wie in Abbildung 2 zu erkennen ist, lag die durchschnittliche UV-Belastung der Probanden bei diesem Fest im Juli 2018 bei 3,4 SED. Die Extremwerte eines Probanden reichen jedoch bis zu einer Exposition von elf bis zwölf SED an einem einzigen Sommertag. Die meteorologischen Bedingungen, die an diesem Tag mit einer Wetterstation gemessen wurden, ergaben an diesem wolkenlosen Sommertag eine gesamte Strahlung von 25,6 SED. Entscheidend ist hierbei nicht unbedingt die Temperatur, sondern der Sonnenhöchststand, der in den Monaten Juni und Juli am höchsten und damit bei wolkenfreiem Himmel am gefährlichsten ist.

« zurück [1] [2] weiter » « zurück zur Übersicht

Eine 100-jährige Erfolgsgeschichte

Der Unfallvertrauensmann als Vorgänger der Sicherheitsbeauftragten ist der erste durch eine Unfallverhütungsvorschrift definierte betriebliche Arbeitsschutzakteur. Im Jahr 1919 durch die Berufsgenossenschaften geschaffen, begeht dieses Ehrenamt 2019 sein 100-jähriges Jubiläum. 


Von Gerhard Kuntzemann



Mehr lesen

Leserservice

| Bild: |


Aboänderungen: Adresse, Ansprechpartner, Bezugsmenge, Probehefte

Mehr lesen

Autorenhinweise

| Bild: Autorenhinweise | Sie sind Fachautor und möchten Ihr Wissen im DGUV Forum einbringen? Dann werfen Sie einen Blick in unsere Autorenhinweise.

Mehr lesen