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E-Scooter

Was rollt da auf uns zu?

Fehlnutzung von Wegen

Berücksichtigt werden muss auch das Verhalten von Menschen. Es ist davon auszugehen, dass eine große Anzahl von EKfz-Nutzenden zukünftig auch Gehwege benutzen wird, sei es aus Unwissenheit oder Bequemlichkeit oder auch, um noch schneller voranzukommen. Das erleben wir bereits heute mit Personen, die Rad fahren. Sie treffen nahezu geräuschlos auf Menschen, die zu Fuß unterwegs sind und meist nicht mit ihnen rechnen. Sie treffen auch auf Menschen, die leider beim Laufen mit Kopfhörern Musik hören, die neuesten Posts oder E-Mails auf dem Handy lesen und nicht auf den Verkehr achten. Schreckhafte Reaktionen als Folge können dann böse enden.


Elektrokleinstfahrzeuge auf der Fahrbahn

Immer wenn keine Radwege vorhanden sind, müssen Nutzende von Elektro-kleinstfahrzeugen auf der Fahrbahn fahren. Sie werden das auch dann machen, wenn Radwege vorhanden sind. Dies führt zu weiteren Konflikten, zumal E-Scooter und elektrische Tretroller schmal und klein sind, aber relativ schnell sein können. Und die auch schnell übersehen werden können, insbesondere, wenn sie von 14-Jährigen gefahren werden, die noch nicht ihre volle Körpergröße erreicht haben. Und es wird eine Vielzahl von Konflikten besonders in Kreuzungsbereichen erwartet.


Prävention muss handeln

In den wenigen Tagen nach der offiziellen Zulassung wurden mehrere schwere Unfälle verzeichnet. Bereits am 27. Juni 2019, also zwölf Tage, nachdem die Verordnung in Kraft getreten ist, gab es in Berlin zwei Elektrotretrollerunfälle, bei denen zwei Frauen schwere Knochenbrüche erlitten haben. Am 1. Juli ist in Sonneberg in Thüringen ein 31-jähriger Mann ohne Helm mit seinem Elektrotretroller auf dem Gehweg gestürzt und hat sich dabei schwere Kopfverletzungen zugezogen, bleibende Schäden konnten Anfang Juli nicht ausgeschlossen werden. Die Meldungen über Stürze mit schweren Verletzungen nehmen täglich zu. Ärzte und Ärztinnen von Unfallkrankenhäusern, wie das Unfallkrankenhaus Berlin, zeigen sich zunehmend besorgt.

Verantwortliche für Prävention müssen hier handeln und dies sehr schnell. Ein erster Schwerpunkt sollte im Bereich der gesetzlichen Schülerunfallversicherung liegen. Die EKfz dürfen bereits von 14-Jährigen gefahren werden, deren Verkehrssozialisation gerade noch in den Anfängen steckt. In dieser Altersgruppe kann man weniger Verantwortungsgefühl für das Führen von Kfz erwarten als bei Erwachsenen. Hier wird Schule eine große Verantwortung übernehmen und gegensteuern müssen. Für die Präventionsverantwortlichen bedeutet dies, kurzfristig gute Aufklärungskonzepte und Schulungsmaterialien zur Integration in den Unterricht bereitzustellen.

Aber auch Auswirkungen auf das Arbeits- und Wegeunfallgeschehen werden erwartet, etwa von Fachleuten im Bereich Unfallchirurgie. Elektroroller würden für alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer und insbesondere für die Nutzenden von EKfz ein „deutlich erhöhtes Verletzungsrisiko“ bergen, sagte Christopher Spering, Leiter der Sektion Prävention der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und Oberarzt in der Klinik für Unfallchirurgie in Göttingen, in einem Interview Anfang Juni 2019. Für ihn sind die E-Scooter im Stadtverkehr „hochgefährlich“, besonders weil sich andere Verkehrsteilnehmende nur extrem schwer auf die neuen Fahrzeuge einstellen könnten und für die Nutzenden keine Helmtragepflicht besteht. In Göttingen seien allein im Mai und Juni zwei schwer verletzte E-Rollerfahrer behandelt worden, berichtete Spering. Die beiden Verletzten hätten ein Schädel-Hirn-Trauma und Verrenkungsbrüche im Bereich der Sprunggelenke gehabt, typische Verletzungen bei Unfällen von Elektrotretroller-Nutzenden. Da auch viele Erwachsene Elektrokleinstfahrzeuge auf dem Weg zur Arbeit und zurück nach Hause nutzen werden, wird es erforderlich sein, Unternehmen und Beschäftigte frühzeitig über die Risiken bei der Nutzung von EKfz zu informieren und zu sensibilisieren.


Fußnote

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Interview mit Dr. Höller und Dr. Hussy

| Bild: Interview mit Dr. Edlyn Höller und Dr. Stefan Hussy
Foto: Jan Roehl/DGUV
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Digitalisierung, Rehabilitation, Bildung ein Gespräch mit Dr. Stefan Hussy, neuer Hauptgeschäftsführer der DGUV, und Dr. Edlyn Höller, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin, über anstehende Aufgaben.


Das Interview führten Kathrin Baltscheit und Elke Biesel, DGUV



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