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Arbeitszeitforschung

Grundlagen zur Arbeitszeit- und Schichtplangestaltung

Aktuelle Empfehlungen zur Schichtplangestaltung

Ein spezielles Thema in der Arbeitszeitforschung ist die Schicht- und Nachtarbeit. Etwa 20 Prozent der abhängig Beschäftigten in Deutschland arbeiten nicht zwischen 7 und 19 Uhr, sondern zeitlich versetzt, in Wechselschichten oder in Dauernachtarbeit. [6] Die Tendenz zur Schicht- und Wochenendarbeit steigt genauso wie der Anteil von Frauen und die Zahl älterer Erwerbspersonen in Schicht- und Nachtarbeit. Aus der Forschung sind gesundheitliche Beeinträchtigungen, ein erhöhtes Risiko für Unfälle und Verletzungen sowie familiäre und soziale Probleme durch Schicht- und Nachtarbeit bekannt. Um solche negativen Auswirkungen zu minimieren, gibt es arbeitswissenschaftliche Gestaltungsempfehlungen (siehe Infokasten und Empfehlungen in der DGUV Information 206-0247).

Ausblick


Durch aktuelle Veränderungen in der Arbeitswelt, wie den demografischen Wandel, die Globalisierung und Digitalisierung (Arbeiten 4.0), wird das Thema Arbeitszeit in Zukunft an Bedeutung zunehmen. Aus Sicht des Arbeitsschutzes bedeutet das: Das Thema Schichtarbeit wird zu „Arbeiten zu jeder Zeit und an jedem Ort“ erweitert werden müssen. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind dann zunehmend gefordert, ihre Arbeitsbedingungen – auch hinsichtlich der Arbeitszeitgestaltung – selbst zu beurteilen. Umso mehr wird die gesetzliche  Unfallversicherung gefragt sein, Empfehlungen für die Lage, Dauer und Verteilung der Arbeitszeit bereitzustellen, damit Menschen sicher und gesund arbeiten können. Dies betrifft auch weitere Forschungsfragen, zum Beispiel die Auswirkung von künstlichem Licht zur Nachtschicht. Zudem können die Beschäftigten selbst durch ihr Verhalten, wie ausreichend Schlaf, viel Bewegung und gesunde Ernährung, dazu beitragen, den negativen Einfluss von Schichtarbeit auf die Gesundheit zu verringern.


Fakten im Arbeitszeitgesetz:

§ 3 Arbeitszeit max. 8 Std./ Tag. Kann auf 10 Std. verlängert werden, wenn in 6 Monaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt max. 8 Std. geleistet werden.


§ 4 Ruhepausen: mind. 30 Min. bei Arbeitszeit von 6–9 Std. und 45 Min. bei einer Arbeitszeit von mind. 9 Std.


§ 5 Ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 11 Std. nach der täglichen Arbeitszeit 


Das Arbeitszeitgesetz beruht auf der Arbeitszeitrichtlinie der EU, welche eine Mindestruhezeit von 11 Std. pro 24 Std. fordert und eine wöchentliche Mindestruhezeit von 24 Std. pro Sieben-Tages-Zeitraum sowie eine Höchstarbeitszeit von 48 Std. durchschnittlicher Arbeitszeit pro Sieben-Tages-Zeitraum. Dies lässt einen etwas größeren Spielraum in der Arbeitszeitgestaltung zu als das nationale Arbeitszeitgesetz. 


Merke: Auf nationaler Ebene wird auf eine Höchstarbeitszeit und auf europäischer Ebene auf eine Mindestruhezeit fokussiert.


Empfehlungen für eine gesundheitsgerechte Schichtplangestaltung basierend auf arbeitsmedizinischen und arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen:

1. Schichtplane: vorwärts (Früh-/Spät-/Nachtschicht) und schnell (max. 2–3 Tage gleiche Schicht) rotierend, einzelne Arbeitstage zwischen freien Tagen vermeiden


2. Dauer und Verteilung: Schichtlänge max. 8 Std.; nicht mehr als 5 Arbeitstage bzw. Schichten hintereinander.


3. Lage: Beginn der Frühschicht nicht vor 6 Uhr; Ende der Spätschicht nicht nach 22 Uhr; Ende der Nachtschicht spätestens 6 Uhr, besser früher; Dauernachtschicht sowie Wochenendarbeit, wenn möglich, vermeiden


4. Ruhezeit / Freizeit: Mind. 11 Std. Ruhezeit zwischen Schichten; mind. 48 Std. arbeitsfreie Zeit nach einem Schichtblock oder einer Nachtschichtphase; Freizeiten besser als Block, nicht als einzelne Tage; überlange Arbeitszeiten pro Schicht (> 8 Std.) und Woche (> 48 Std.) vermeiden; Ausgleich von Mehrarbeit durch Freizeit, nicht durch Geld


5. Flexibilitat: Schichtpläne vorhersehbar (mind. 4 Wochen) gestalten; kurzfristige Veränderungen vermeiden; Flexibilität für Beschäftigte vorsehen; auf starre Anfangszeiten verzichten; individuelle Leistungs voraussetzungen der Beschäftigten berücksichtigen


Fußnoten

[1] Arbeitszeitgesetz vom 6. Juni 1994 (BGBl. I S. 1170, 1171), zuletzt durch Artikel 12 a des Gesetzes vom 11. November 2016 (BGBl. I S. 2500) geändert


[2] Richtlinie 2003 / 88 / EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 4. November 2003 über bestimmte Aspekte der Arbeitszeitgestaltung


[3] Nachreiner, F.; Rädiker, B.; Janßen, D.; Schomann, C.: Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen der Dauer der Arbeitszeit und gesundheitlichen Beeinträchtigungen, 2004. Gesellschaft für Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspychologische Forschung e. V. (GAWO)


[4] Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V. (DGUV) (Hrsg.): Stellungnahme der DGUV zur Überarbeitung der Arbeitszeitrichtlinie, Berlin, 11.03.2015 (Richtlinie 2003 / 88 / EG)


[5] Hänecke, K.; Tiedemann, S.; Nachreiner, F.; Grzech-Sukalo, H.: Accident risk as a function of hour at work and time of day as determined from accident data and exposure models for the German working population, Scandinavian Journal of Work, Environment and Health, 24, Suppl. 3:43 – 48, 1998


[6] Wöhrmann, A. M.; Gerstenberg, S.; Hünefeld, L.; Pundt, F.; Reeske-Behrens, A.; Brenscheidt, F. und Beermann, B. (2016): Arbeitszeitreport Deutschland 2016. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)

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In der arbeitsfreien Zeit beruflich erreichbar zu sein stellt eine bedeutsame Belastung dar, wenn sie nicht klar geregelt und eingeschränkt ist. Der Anteil derer, die das betrifft, ist aber nicht so groß, wie manche Beiträge vermuten lassen. Eine differenzierte Betrachtung ist daher wünschenswert.


Von Dr. Marlen Cosmar, Prof. Dr. Dirk Windemuth, Prof. Dr. Frauke Jahn

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