oben


Foto: fotohansel/fotolia.com

Arbeiten 4.0

Herausforderung für die Präventionsarbeit


Wenn sie sich weiterhin gut vernetzt und mit dem Tempo der Veränderungen Schritt hält, braucht die gesetzliche Unfallversicherung die Herausforderungen einer Arbeitswelt 4.0 nicht zu fürchten. Im Gegenteil: Sie kann die Zukunft aktiv mitgestalten.

Arbeit 4.0

Wir befinden uns in einer Zeit der Umbrüche.[1] Die Digitalisierung und die Möglichkeiten der Vernetzung über das Internet führen zu neuen, mitunter kaum für möglich gehaltenen technischen Innovationen und neuen Geschäftsmodellen, die in Konkurrenz mit traditionellen Geschäftsmodellen treten oder sie gar verdrängen.[2] Die wirtschaftliche und politische Globalisierung (Freihandelsabkommen) wird beschleunigt. Aufgrund der demographischen Entwicklung in den Industrieländern werden Belegschaften älter. Immigranten müssen in Gesellschaft und Arbeitswelt integriert werden. Angesichts der rasanten digitalen Entwicklung spricht der Gründer des Weltwirtschaftsforums in Davos, Klaus Schwab, wie viele andere Experten schon von der Vierten Industriellen Revolution.[3] Ob die Digitalisierung Arbeitsplätze schaffen oder zu massiver Arbeitslosigkeit führen wird, ist hoch umstritten. Einigkeit herrscht in der Diagnose, dass erhebliche Verschiebungen zu erwarten sind und dass es aus arbeitsmarktpolitischer Perspektive darauf ankommt, für eine stete Weiterqualifikation der Beschäftigten zu sorgen, damit diese den Anforderungen veränderter Tätigkeitsprofile gewachsen sind.[4]


Unsere Arbeit wird sich also massiv verändern, oft allein schon durch andere Arbeitsorte (mobiles Arbeiten, Teleheimarbeit, Reisetätigkeit) und andere Arbeitszeiten (abends, nachts, am Wochenende, unterbrochen). Zum Teil ergeben sich neue, lang ersehnte Möglichkeiten für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, zum Teil aber auch Gefährdungen durch Entgrenzung der Arbeit und (Selbst-)Überforderung.


Weißbuch Arbeiten 4.0 und andere politische Initiativen

Die Politik in Europa und Deutschland reagiert auf die Veränderungen. Die EU-Kommission hat 2016 eine öffentliche Konsultation zur Europäischen Säule sozialer Rechte eingeleitet.[5] Mit der Säule sollen wesentliche Grundsätze zur Unterstützung gut funktionierender und fairer Arbeitsmärkte und Wohlfahrtssysteme festgelegt werden. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat 2015 mit dem Grünbuch Arbeiten 4.0[6] einen breiten gesellschaftlichen Dialog angestoßen und im November 2016 den Diskussionsentwurf eines Weißbuches[7] vorgelegt. Es beschreibt ein Leitbild guter Arbeit im digitalen Wandel und greift bei den anstehenden Gestaltungsaufgaben die Themen Beschäftigungsfähigkeit (von der Arbeitslosen- zur Arbeitsversicherung), Arbeitszeit (flexibel, aber selbstbestimmt), gute Arbeitsbedingungen, Arbeitsschutz 4.0 (gesunde Arbeit), Beschäftigten-Datenschutz, Sozialpartnerschaft, (Solo-)Selbständigkeit und Sozialstaatlichkeit (Perspektiven) auf.


Im Folgenden soll mit Blick auf den Schwerpunkt Prävention der Versuch gewagt werden, eine erste Bestandsaufnahme und einen ersten Ausblick nach Vorliegen des Diskussionsentwurfs Weißbuch Arbeiten 4.0 vorzunehmen. Auf weitere spannende Fragen wie der sozialen Absicherung neuer Berufe, beispielsweise Click- und Crowdworker, kann hier nur ein Hinweis gegeben werden.

 



[1] BMAS, Weißbuch Arbeiten 4.0, Diskussionsentwurf, S. 18-39:

http://www.bmas.de/DE/Service/Medien/Publikationen/a883-weissbuch.html (abgerufen am: 22.12.2016)

[2] Buchhorn, E.; Werle, K.: Nerd-Economy. In: manager magazin 4/2016, S. 8086.

[3] Schwab, K.: Die Vierte Industrielle Revolution, München 2016.

[4] Rinne, U.; Zimmermann, K. F.: Die digitale Arbeitswelt von heute und morgen. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 1819/2016, S. 39.

[5] Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: Einleitung einer Konsultation über eine europäische Säule sozialer Rechte vom 8.3.2016, COM(2016) 127 final.

[6] BMAS, Grünbuch Arbeiten 4.0:

http://www.bmas.de/DE/Service/Medien/Publikationen/A872-gruenbuch-arbeiten-vier-null.html (abgerufen am: 22.12.2016)

[7] BMAS, Weißbuch Arbeiten 4.0:

http://www.bmas.de/DE/Service/Medien/Publikationen/a883-weissbuch.html (abgerufen am: 22.12.2016)

« zurück [1] [2] [3] [4] [5] weiter » « zurück zur Übersicht

Qualität von Arbeitsschutzunterweisungen

| Bild:
Foto: Wolfgang Bellwinkel/DGUV
|
Arbeitsschutzunterweisungen sind in Deutschland ein bewährtes Instrument der betrieblichen Prävention. Die Rahmenbedingungen, wie Unterweisungen durchzuführen sind, sind gesetzlich festgelegt. Die inhaltlich-methodische Ausgestaltung liegt jedoch gänzlich in der Erfahrung und den Kompetenzen der betrieblichen Akteure. Wie kann also die Wirksamkeit von Arbeitsschutzunterweisungen gesichert werden? Diese Frage beantwortet ein aktuell erschienener Report des Instituts für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG). 

Mehr lesen

Leserservice

| Bild: |


Aboänderungen: Adresse, Ansprechpartner, Bezugsmenge, Probehefte

Mehr lesen

Autorenhinweise

| Bild: Autorenhinweise | Sie sind Fachautor und möchten Ihr Wissen im DGUV Forum einbringen? Dann werfen Sie einen Blick in unsere Autorenhinweise.

Mehr lesen