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Arbeitszeit

„Samstags gehört Vati mir“

Für uns alle ist es eine selbstverständliche Annehmlichkeit, über das Internet jederzeit Zugang zu Informationen zu haben und Dienstleistungen wie Online-Käufe nutzen zu können. Auf der Anbieterseite besteht der Druck, über 24 Stunden am Tag die Kundenwünsche zu befriedigen. Nur durch Schicht-, Nacht- und Wochenendarbeit kann dies gewährleistet werden. Andererseits wissen wir als Kunden nicht, wo das Callcenter lokalisiert ist, mit dem wir gerade telefonieren: Notwendige Informationen können den Beschäftigten im Callcenter weltweit jederzeit durch moderne Informationstechnologien zur Verfügung gestellt werden. Gegebenenfalls kann der einzelne Mitarbeiter oder die einzelne Mitarbeiterin auch einen Arbeitsplatz zu Hause haben. Cloud- und Crowdworking ermöglichen also das Arbeiten von nahezu allen Orten dieser Welt, vorausgesetzt, man verfügt über eine mobile IT. Vollschichtige Arbeitszeit ist nicht mehr zwingend erforderlich. Flexibilisierung der Arbeitszeit durch Digitalisierung hat viele Aspekte auf verschiedenen Ebenen. 


Durch das Angebot von Dienstleistungen rund um die Uhr können neue Herausforderungen an Nacht-, Schicht- oder Wochenendarbeit auch an heute bestehende Arbeitsplätze resultieren. Ein Beispiel sind die Diskussionen um  verkaufsoffene Sonntage, die auch eine Folge der Konkurrenz zum jederzeit erreichbaren Online-Handel sind.


Eine weitere Entwicklung ist ebenfalls schon heute zu erkennen. Die klare Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit verwischt. Es ist bereits nicht unüblich, sich in der „Freizeit“ mit beruflichen E-Mails oder Telefonaten zu beschäftigen. Hier stellt sich zum einen die Frage, wie geleistete Arbeitsstunden erfasst werden können. Zum anderen kann die psychische Gesundheit darunter leiden, wenn wir nicht mehr das Gefühl haben, selbst über die eigene Situation und die beruflichen Anforderungen entscheiden zu können. Eine klare Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit ist unter diesen Voraussetzungen vielfach kaum mehr zu erreichen.


Und wenn zukünftig immer mehr Arbeiten von Robotern oder auf digitalen Plattformen erledigt werden, heißt das auch, dass Anforderungen an die Arbeitsplätze in vielen Fällen steigen und lebenslanges Lernen normal wird. Auch in diesem Zusammenhang ergibt sich die bedeutsame Frage nach der Messung der Arbeitszeit. Die Erfassung der Arbeitszeit ist Voraussetzung für Arbeitszeitkonten. Sie ermöglichen, Arbeitszeiten variabel zu gestalten und an aktuelle Bedürfnisse anzupassen. Dies betrifft die Tages-, Wochen-, Jahres- oder Lebensarbeitszeit. Die Messung der Arbeitszeit dient anderseits auch dem Schutz der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen. 


Als Fazit ist festzustellen, dass der schon erkennbare Trend zur Flexibilisierung der Arbeitszeit sich auch in Zukunft fortsetzen wird. Unsere Gesellschaft muss sich hierauf einstellen. Für die gesetzliche Unfallversicherung bedeutet dies konkret, Gesundheitsgefahren zu ermitteln. Bekannt ist, dass Arbeitszeiten Unfallrisiken beeinflussen, die Zusammenhänge zwischen Arbeitszeiten und Erkrankungen sind hingegen weniger gut erforscht. Wissenschaftliche Untersuchungen sind daher notwendig. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen müssen dann geeignete Präventionsmaßnahmen entwickelt und umgesetzt werden.

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Arbeitsbedingte Erreichbarkeit

| Bild: Einweiserumfrage
Foto: NicoElNino/fotolia.com
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In der arbeitsfreien Zeit beruflich erreichbar zu sein stellt eine bedeutsame Belastung dar, wenn sie nicht klar geregelt und eingeschränkt ist. Der Anteil derer, die das betrifft, ist aber nicht so groß, wie manche Beiträge vermuten lassen. Eine differenzierte Betrachtung ist daher wünschenswert.


Von Dr. Marlen Cosmar, Prof. Dr. Dirk Windemuth, Prof. Dr. Frauke Jahn

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